Cannabis heilt Krebs: Echte Hoffnung oder grundloses Heilsversprechen?

Cannabis gegen Krebs

Es sind zwei große Themen des 20. Jahrhunderts und sie werden nun immer öfter miteinander in Verbindung gebracht. Auf der einen Seite ist das Krebs. In seine Erforschung und entsprechende Heilmethoden werden seit Jahrzehnten Milliarden investiert, ohne dass er nur ansatzweise als besiegt betrachtet werden kann. Weltweit hoffen und bangen nach wie vor Millionen Betroffene und ihre Angehörigen auf revolutionäre Durchbrüche in Forschung und Behandlung.

Auf der anderen Seite ist das Cannabis, weltweit die illegale Droge Nummer eins. Doch immer öfter wird ernsthaft über ihre Legalisierung nachgedacht. Ein Argument dabei: Der medizinische Nutzen. Das wohl größte Versprechen: Cannabis könne Krebs heilen.

MarihuanaIm Internet finden sich dazu unzählige Geschichten. Doch wissenschaftliche Belege fehlen, Studien gibt es kaum. Ärzte zögern deshalb nach wie vor, es zu verschreiben.

Für einen, wie den Kanadier Rick Simpson spielen diese Zweifel keine Rolle. Vielmehr empfiehlt er in zahlreichen Videos, Büchern und in Auftritten bei sozialen Netzwerken bezüglich der Krebsbehandlung ganz auf die Schulmedizin zu verzichten. Er selbst, so der Rentner habe sich vom Hautkrebs befreit. Ganz ohne die Hilfe von Ärzten. Aus der Cannabispflanze habe er eine Öl extrahiert, mit dem er den Kampf gegen die tückische Krankheit letztlich gewonnen habe.

Mediziner verweisen bezüglich der Aussagen von Heilpredigern, wie Rick Simpson darauf, dass es, trotz jahrelanger Forschung nach wie vor keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege für die krebsheilende Wirkung von Cannabisprodukten gibt. Franjo Grotenhermen zum Beispiel ist selber Arzt und sowohl Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) als auch Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM). Obwohl er sich seit Jahren für den Einsatz von Cannabis, auch in der Krebsbehandlung stark macht, rät er zur Skepsis.

Es gäbe Hinweise, so Grotenhermen, dass einige Wirkstoffe von Cannabis krebshemmend sind. Bei Versuchstieren würden diesbezüglich verwertbare Ergebnisse vorliegen. Bezüglich des Menschen sei eine ähnliche Wirkung allerdings nach wie vor unklar.

Nur wenigen Forschern ist es bisher gelungen, bezüglich der krebsheilenden Wirkung von Cannabis mit handfesten Ergebnissen an die Öffentlichkeit zu treten. Einer von ihnen ist der Spanier Manuel Guzmán von der Universität Complutense in Madrid, der bereits vor über zehn Jahren die weltweit ersten Studien mit Menschen vornahm und seine Ergebnisse 2006 veröffentlichte.

Über einen Katheder hatte der Biochemiker neun Patienten, mit Hirntumoren, reines THC direkt ins Gehirn geleitet, worauf sich bei einigen Personen das Tumorwachstum signifikant verringerte. Der entsprechende Artikel im angesehenen Fachmagazin „British Journal of Cancer“ machte weltweit für Schlagzeilen.

Cannabis zum Rauchen gegen KrebsDoch alle entsprechenden Studien bezüglich des Einsatzes von Cannabis in der Krebsbehandlung in den vergangenen zehn Jahren zeigen: hier gibt es kein neues Wundermittel, sondern lediglich eine, von vielen neuen Möglichkeiten.

Eine Formulierung, die auch Burkhard Hinz unterschreiben würde. Auch der Direktor des Instituts für Toxikologie und Pharmakologie an der Uniklinik Rostock sorgte vor zwei Jahren für Furore, als er Krebszellen erfolgreich mit Cannabinoiden bekämpfen konnte. Hinz warnte aber schon bald vor allzu großen Hoffnungen. Viele Strategien im Kampf gegen den Krebs wären in Laboren erfolgreich getestet worden, hätten am Ende in der realen Anwendung jedoch nicht die erhoffte Heilwirkung hervorgerufen.

Trotz aller Warnungen von Forschern und Medizinern vor zu großen Heilerwartungen verschreiben Ärzte all jenen Patienten, die Cannabinoide ausprobieren wollen, entsprechende Fertigarzneimittel in Form des Cannabis-Extraktes Sativex oder des Cannabiswirkstoffs Dronabinol. Die Ausgabe von Hanf-Öl ist in Deutschland allerdings, ebenso wie Besitz, Anbau und Handel, verboten.

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